Ein alter Erfolgsverweigerer wie der Allgäuer Gitarrist und Querdenker HF Coltello darf für sich durchaus mal das grässliche Wort vom „Kult“ beanspruchen. Dafür haben er und seine Gitarrensammlung in den letzten Jahren ausreichend Landstraßenkilometer angesammelt.
ZITTY - Berlin. Das Hauptstadtmagazin

Ja. Ich habe nun tatsächlich etwas weitergeschrieben am »akustischen roadmovie«, welches uns 2007 schon so viel Freude über die Rücken herabschauern lies. Nach Ausflügen in den wilden Kaukasus, die arabische Wüste, Villingen-Schwenningen, Bristol und Wanne, zieht es uns nun in die Schweiz. Wahrscheinlich begegnen wir auch dem beliebten Hundzköter wieder. Und…, ich hab schon einige CDs verkauft auf dieser Tournee. Wir können uns also schon mal ein Weizenbier leisten.
Meinst.
Damit.
Damit meinst.
Ich komm schon noch dahinter.
Unbeirrt von dieser strapaziösen Initiierung.
Strahlkraft bleibt Strahlkraft.
Nun also.
Nun also da ich bald darauf Nahe einer bayrischen Kapelle auf einer Gartenbank lag, mittlerweile von jeglichen Arroganzen befreit und das feine Geräusch von frisch ausgeschlagenen Blättern mir einbilde, eine sanfte Frühjahrsbrise rührte im Astwerk, da entführten mich meine Gedanken einerseits in den 1840 erklärten Opiumkrieg zwischen China und der Britischen Regierung, bei der sich China um die Unterbindung des Opiumhandels bemühte, sich einige britische Companies und somit auch die britische Regierung aber den Handel mit dem Rauschgift, der zu ihren einträglichsten Unternehmungen gehörte, nicht nehmen lassen wollten (den Krieg führte man natürlich im Namen der Ausbreitung des christlichen Glaubens und dem für jede fortschrittliche Zivilisation geltenden Recht auf freien Handel) und andererseits entführten mich die Gedanken ins Münchener Hofbräuhaus, wo der Hundzköter und ich eben erst das zweitemal in Folge an den Stammtisch gerufen, und über das Fluchen des Habemus Papam aufgeklärt wurden.
Der Hundzköter befand sich, während ich also so lag und zweigleisig dachte, just in diesem Moment zu Granit erstarrt in dieser Kapelle und las, den Fingernagel unterm jeweiligen Satz, wieder und wieder die Geschichte vom blutenden Antlitz.
Blicken wir also mal in des Hundzköters Köpfchen.
Am 17. Februar 1995, so las er, fing ein 18 x 24 cm großes, eingerahmtes Bild des heiligen Antlitzes zu bluten an. Der in der Eile herbeigerufene Arzt konnte bei seiner Ankunft keine Probe entnehmen; denn das Blut war schon geronnen. 13 Zeugen wohnten dem Ereignis bei, währenddem eine Stimme sprach:
»Ich werde wiederkommen und der Doktor wird seine Untersuchung vollenden können«.
Glasröhren wurden bereitgelegt, um bei einer Wiederholung des Blutflusses am Bild Blut auffangen zu können. Am 15. März fing das Bild erneut an, reichlich zu bluten. Es konnte Blut aufgefangen werden. Es floss sogar soviel Blut aus dem Bild, dass die Merkmale des Heiligen Antlitzes kaum mehr zu erkennen waren. Als eine Glasröhre viertelvoll war, sagte die Stimme:
»Es genügt. Ich werde es selbst auffüllen«.
Der Hundzköter wusste nicht recht. Mit hochgezogenen Augenbrauen studierte er weiter.
Der Arzt, der die Röhre viertelvoll gesehen hatte, stellte ca. 45 Minuten später eine ohne menschliches Zutun ganz gefüllte Röhre fest. Der Arzt, der keine Erklärung für diese Vorgänge hatte, staunte. 12 Zeugen wohnten den Ereignissen bei.
Der Hundzköter las weiter. Und die Verstörung nahm ihren Lauf.
Betrachte mein blutendes Antlitz! Was habe ICH dir zu sagen? Habe ICH dir überhaupt noch was zu sagen? Hörst du wirklich noch auf MICH? Hast du Mitleid mit MIR, wenn du MICH so bluten siehst? Ich tue es für dich.
Nun befiel den Hundzköter ein Schaudern.
Und sein Atem ging noch kräftiger als er die Verheißungen las.
Meine Kinder! In den schrecklichen Tagen, die über die Menschheit kommen werden, … Scharf trafs den Köter jetzt im Genick, … wird das Heilige Antlitz eine wahre Opfergabe sein, damit die Strafen gemildert werden, die ich über die Menschheit kommen lassen werde. Je mehr es verbreitet wird, desto geringer wird die Katastrophe sein.
Die Katastrophe, las der Köter wieder und wieder.
Und wieder packte es ihn scharf im Genick.
Verliert diese Gnaden nicht, denn es ist auch leicht sie zu verlieren. Die liebe Gottesmutter fleht um Hilfe, dass dieses Hochheilige Antlitz in Windeseile in allen Häusern durch Betrachtung und Gebet noch verehrt wird. So kann sie noch vieles vom schweren Strafgericht abwenden.
Vom schweren Strafgericht …, hing es dem Köter nun bitter im Kopf.
Und ich war wieder bei den Chinesen. Jegliche Inferioritätsgefühle waren längst verschwunden, da kam mir der Ausdruck »der ewige Umgang« in den Sinn.
Ich erhob mich also und schoss ein Foto.
Da kam der Hundzköter aus der Kapelle.
Hundzi hat Angst!, rief er mir zu und zeichnete mit seinen Fingern die Blutspuren auf dem blutenden Bild in seinem Gesicht nach. Er lief dann über die Strasse und urinierte neben dem einsamen Jesuskreuz das da stand leise ins Feld.
Colt!, schrie er über die Schulter. Kunnsta du dir die Unendlichkeit vorstelln!?! Ich schon!, rief er hinterher. Bis zu am gewissen Punkt jedenfalls schon.
Ich sah zu ihm rüber. Er stand einfach so da. Bukowski kam mir in den Sinn.
Im Rumstehen nehme ich’s mit jedem auf, sagte er einmal.
Ich legte mich wieder auf diese Bank.
Und dachte, ich im Rumliegen auch.

Bild mit Kreuz

Außerdem arbeiten wir, das Wort „arbeiten“ nehm ich eigentlich nicht gern in den Mund, weil wir ja nicht wirklich arbeiten, es folgt alles nur den Regeln der Lust, sollte also besser sagen: Außerdem lusten wir gerade an einem Filmchen. Was dann, sollte es wieder so laufen wie bisher, der vierte Film in Folge wäre, bei dem ich mitspielen darf und der nicht fertiggemacht wird. Hier schon mal Info:

Multimorbid

Deutschland 2010

18 Min.

Der in Konstanz am Bodensee lebende, geniale Dr. Kasp (gespielt von Sigi Bitzer) kommt nach Berlin um sein neues Puppentheaterstück aufzuführen. Hatte er bei seinem letzten Besuch bereits das komplette Rockero Headquarter unter Nebel gesetzt, ist nun die ganze Hauptstadt sein Ziel. Er quartiert sich im stillgelegten Flughafen Tempelhof ein und baut dort an einer gigantischen Nebelmaschine. Was er nicht weiß, in den sich im Keller befindenden Tresorräumen übt unser Held Multi (gespielt von HF Coltello) seine Gitarrenkompositionen. Zufällig entdeckt Multi die Maschine und alarmiert sofort den Weltenretter Chewie Morbid (gespielt von Hundzköter, dem wohl ungruseligsten Horrordarsteller Europas). Zusammen sind sie Multimorbid und heizen Dr. Kasp ordentlich ein. Doch Dr. Kasp schickt ihnen Wesenheiten entgegen. Da er, sollte sein Plan aufgehen, Massenselbstmorde erwartet, beordert er eine ganze Armada Leichenwagen nach Berlin und lässt an düsteren, dichtbewohnten Stellen sogar LKWs zum Abtransport der Leichen abstellen. Die riesigen Fahrzeuge bewegen sich übrigens alle von selbst. Die Maschine funktioniert, die Stadt wird erschüttert und liegt in tiefem Nebel.

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